Die Abbaye Saint-Victor thront seit dem 5. Jahrhundert über dem alten Hafen von Marseille und hat schon so einiges mitgemacht. Wikinger, Sarazenen, Revolutionäre – alle haben mal versucht, dem trutzigen Gemäuer zu Leibe zu rücken.
Von außen sieht die Abtei aus wie eine Festung, die vergessen hat, dass sie eigentlich eine Kirche ist. Die dicken Mauern und der wuchtige Turm waren auch bitter nötig – schließlich musste man sich jahrhundertelang gegen Piraten und andere ungebetene Gäste wehren.
Besonders spannend wird's in der Krypta. Hier unten lagern die Gebeine des heiligen Viktor, der der ganzen Sache seinen Namen gab. Jeden Februar pilgern die Marseiller hierher zur Chandeleur und holen sich gesegnete grüne Kerzen ab. Eine Tradition, die älter ist als die meisten europäischen Hauptstädte.
Der Blick vom Kirchenvorplatz aufs Mittelmeer entschädigt für den Aufstieg. Und falls du dich fragst, warum hier alles so festungsartig aussieht: Im Mittelalter war fromm sein eben auch eine Frage der richtigen Mauerstärke.