Die Hohe Riffl ist ein echter Verwandlungskünstler. Von Süden siehst du eine sanfte, firnbedeckte Erhebung — fast schon gemütlich für einen 3338 Meter hohen Brocken in der Glocknergruppe.
Aber lass dich nicht täuschen. Drehst du einmal um die Ecke nach Norden, zeigt der Berg sein wahres Gesicht: eine gewaltige Eiswand, 350 Meter hoch und bis zu 60 Grad steil. Da kommt selbst in der östlichen Hälfte der blanke Fels zum Vorschein.
Die Hohe Riffl thront genau auf der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten und spielt gerne mit Perspektiven. Nach Südosten wirkt sie wie ein breiter Schneeberg, während der Südgrat so flach daherkommt, dass er kaum auffällt. Dafür schickt sie nach Nordosten und Nordwesten markante Grate ins Land.
Erreichen kannst du sie von der Oberwalderhütte aus — das wussten auch schon Johann Stüdl und Karl Hofmann, die am 15. September 1869 als erste den Gipfel eroberten. Ihre Guides Thomas Groder und Josef Schnell aus Kals kannten sich offenbar bestens aus in den Hohen Tauern.