Du findest ihn im Seewinkel, diesem wilden Flecken südöstlich von Wien, wo Österreich und Ungarn sich fast die Hand geben. Der Zicksee ist so etwas wie der rebellische kleine Bruder des Neusiedler Sees — manchmal da, manchmal weg.
Denn dieser Steppensee hat eine ziemlich eigenwillige Art: Er trocknet einfach aus, wenn ihm danach ist. Episodisch nennen das die Wissenschaftler. Du kannst es auch Launenhaftigkeit nennen.
Das Wasser ist natronhaltig und soll Heilkräfte haben — ob das stimmt, musst du selbst herausfinden. Jedenfalls liegt er da zwischen Schilf und endloser Weite, ein bisschen versteckt, ein bisschen geheimnisvoll. Sankt Andrä hält vom östlichen Ufer aus Wacht über ihn.
Ein See mit Charakter eben. Und der Gewissheit, dass er macht, was er will.